„Wahrnehmen, was wir empfinden“ – Elsa Gindler und das Selbst entwickeln mit Körperarbeit

In einem Brief schrieb Elsa Gindler Oktober 1911: „Nun, ich glaube, den richtigen Weg zu sehen und werde ihn beschreiten. Es ist ja im Leben schließlich alles ein Tasten, ob wir das Richtige finden? Wer weiß es?“ Sie hat die Entwicklung der gymnastischen Bewegung zu Beginn des 20. Jahrhunderts wesentlich mitbestimmt. 1925 gründete sie den „Deutschen Gymnastikbund“ mit und blieb

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Olympe de Gouges – behindert und ermordet durch die Verhältnisse

Olympe de Gouges (1748 – 1793), eine revolutionäre Schriftstellerin der Französischen Revolution, ist die Ahnfrau des Feminismus. Sie ist und bleibt auch heute eine bizarre und widersprüchliche Gestalt. Bis heute ist ein Wunschtraum von ihr nicht voll realisiert: die volle Anerkennung der Frau als Subjekt und als gleichberechtigtes Individuum. De Gouges wurde am 7. Mai 1748 in Montauban im okzitanischen

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Königin Anne Boleyn, Gattin von Heinrich VIII. und Mutter einer später berühmten Tochter

Die Sitten an Königshöfen waren bis nach der Renaissance nach 1600 hart. Bigotterie, Pflichtgefühl, Religiosität und Etikette waren die bestimmenden Faktoren am Hofe. Ein Menschenleben zählte nicht viel, Pranger und Mord blieben bis nach 1800 üblich. Eine junge Frau widersetzte sich jedoch der üblichen Mätressenwirtschaft der Zeit. Sie ließ sich heiraten, bevor sie sich hingab. Anne Boleyn war eine Kammerzofe

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„Nur wer einen Verstand hat, kann ihn auch verlieren.“

Ein Tabu ist es noch heute, über die eigenen psychosozialen Gesundheitsprobleme konkret und direkt zu sprechen. In meiner Selbsthilfegruppe ist eine Frau, die einer „Freundin“ noch nach einem Jahr nicht davon erzählt hatte. So etwas wäre für mich keine Freundschaft. Dabei ist jede fünfte Bundesbürgerin und jeder fünfte Bundesbürger mindestens einmal in ihrem/ seinem Leben von einer psychiatrischen „Erkrankung“ betroffen.

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Umgang mit Barrieren – physisch und in den Köpfen

Was ist eine Barriere? Barrieren gibt es im baulichen Bereich und in den Köpfen. Erstere fängt bei hohen Bordsteinkanten oder Katzenkopfsteinpflaster an und setzt sich bis zu Treppen fort. Diese Art von Barrieren sind mit mehr oder weniger Einsatz von Geld behebbar, also Bordsteinabsenkung an Straßenecken oder Lifteinbau in Häusern oder U-Bahnen. Hin und wieder steht der Denkmalschutz dagegen. In

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Selbsttherapie durch Schreiben bei Karl May

Die Selbstbiographie von Karl May wurde 1910 publiziert. 1982 wurde sie mit Fußnoten – diese allein 170 S.! – und Nachwort neu aufgelegt. Das Buch war relativ schwer zu lesen. Zum Großteil fühlte ich mich in dem triefenden Selbstmitleid Mays fast ertränkt. Die Fußnoten waren in ihrer umfassenden Gründlichkeit der Recherche am spannendsten. Karl May, 1842 geboren, wurde – wie

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Nietzsche – „Ich bin kein Mensch, ich bin Dynamit!“

„Weh spricht: Vergeh! Doch alle Lust will Ewigkeit will tiefe, tiefe Ewigkeit!“ (F. Nietzsche) Friedrich Wilhelm Nietzsche (1844-1900) schuf seine Philosophie des Lebens und seine Musik in einem politisch euphorischen Umfeld, zur Zeit der Gründung des Deutschen Reiches. Sein brillanter Stil ist noch heute weltweit beliebt. Viele Denkrichtungen schätzen ihn, Feministinnen z.B. aufgrund der Schrift „Befreit das Weib!“ Für viele

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Bewundernswerte Denkwürdigkeiten eines Nervenkranken

Daniel Paul Schreber (1842-1911), Sohn des Schrebergarten-Erfinders, wurde in seiner Karriere durch einen religiösen paranoiden Wahn behindert. Trotz einer Nervenkrankheit Oktober 1884 arbeitete er noch sieben Jahre als Landesgerichtsdirektor in Leipzig und wurde 1893 zum Senatspräsidenten im Oberlandesgericht in Dresden befördert. Dies führte zu einer schweren Dauerkrise. Schrebers Aufenthaltsort 1894 bis 1902, die erste „Königlich Sächsische Heil- und Verpflegungsanstalt Sonnenstein“

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Caravaggio – Dalle Stelle Alle Stalle – Von den Sternen in die Gosse

War Caravaggio ein „Irrer“? Michelangelo Merisi da Caravaggio war ein italienischer Maler des Frühbarock. Er malte überwiegend übergroße religiöse Gemälde und Altarbilder in Rom und Neapel. Er hat das Stillleben in die religiöse und historische Malerei erhoben. Dabei füllte er überlieferte Formen und Haltungen mit normalen Menschen, die Alltagskleidung trugen und zerfurchte Haut hatten. Oft arbeitete Caravaggio vom lebenden Modell.

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Ausflugstipp zum Kennenlernen von Leipzig und seiner Psychiatriegeschichte

Thomas Müller, Mitarbeiter des Durchblick e.V. und Leiter des Sächsischen Psychiatriemuseums, führte den sozialpsychiatrisch-historischen Stadtrundgang durch Leipzigs Innenstadt – inhaltlich einsame Spitze! – durch. Der Stoff wird eher entlang Hintergründen denn an Jahreszahlen entlang dargeboten. Jene standen im Flyer. Es wurden unter dem Gesichtspunkt „Psychiatrie als Gemeindeangelegenheit“ viele Informationen aus dem vorletzten Jahrhundert vermittelt. Dabei wurden Institutionen sowie Einzelpersonen vorgestellt.

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BApK für trialogische Konzepte in Kliniken

Der Bundesverband der Angehörigen psychisch erkrankter Menschen (BApK) setzt sich dafür ein, dass bei der klinischen und ambulanten psychiatrischen Behandlung die Erfahrungen und Sichtweisen von Eltern, Ehe- oder Lebenspartnern oder anderer enger Angehöriger und Vertrauenspersonen systematisch einbezogen werden. Ziel ist es, eine auf der Zustimmung des Patienten/ der Patientin beruhende Zusammenarbeit aller Beteiligten sicherzustellen. Dazu gehört auch die Kooperation und

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Schub als Phänomen

Schub als Phänomen Mich verwundert seit kurzem die ausgesprochen widersprüchliche Nutzung des Wortes Schub, und ich mache mir dazu ein paar Gedanken. Zuerst die Basis, der Ursprung: Was hat der etymologische Duden zu „Schub“ zu sagen? Das Wort „Schub“ (mhd. schup, schub) geht auf das Verb ´schieben´ zurück, dieses auf lit. skùbti „eilen“, dieses wiederum auf die idg. Wurzelform „dahinschießen;

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„Ich hatte immer das Gefühl, ich sei ein Nichts.“ – Vernachlässigung und Spätfolgen im Leben der Marilyn Monroe

„Der einzige Weg für mich, etwas zu sein, war der, dass ich – nun jemand anderes war. Wahrscheinlich wollte ich deshalb Schauspielerin werden.“ (M. Monroe) Medikamentenabhängigkeit Psychische Stresssituationen wirkten sich bei Marilyn Monroe schon in der Kindheit mit  Übelkeit, Erbrechen, Hautausschlag und Stottern aus. Ein Gefühl der Minderwertigkeit war von Anfang an allda in ihrem Leben. Das Stottern trat besonders

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11. Nov. 2016 Buten un Binnen – Leben ohne Antidepressiva

In diesem Beitrag werden die fatalen Nebenwirkungen von Antidepressiva deutlich gemacht, die auch heute noch häufige Praxis, psychisch wirksame Medikamente zu hoch zu dosieren, zu lange und oft mit verschiedenen anderen Medikamenten in einem schädlichen Cocktail zu verschreiben. Und eine Betroffene kommt zu Wort, die seit zwei Jahren wieder ohne Medikamente lebt. Uwe Gonther, ärztlicher Direktor des Ameos Klinikum Dr.

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Behindertenbeauftragte – Bremer Erklärung zur Weiterentwicklung der Psychiatrie

Es kommt jetzt starke Unterstützung für unsere Belange auch von Seiten der Behindertenbeauftragten des Bundes und der Länder. Hier ein Auszug aus dem Newsletter ‚INFO LBB 29 – Sonderausgabe zur „Bremer Erklärung“‚ des Bremer Landesbehindertenbeauftragten. Darin wird über das 52. Treffen der Beauftragten des Bundes sowie der Länder für die Belange behinderter Menschen berichtet, dass am 03. bis 04. November

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