Monthly Archives for April 2018


Klaus Pramann – „Keiner wusste, wie es gehen soll.“

Über 30 Jahre lang nutzte die „Städtische Nervenklinik“ Bremen das ehemalige Kloster Blankenburg, um „Geistig Behinderte“, Menschen mit chronischen psychischen Gesundheitsproblemen und Süchtige wegzusperren. Im Bericht über die Lage der Psychiatrie in der Bundesrepublik Deutschland im Jahr 1975 wurde festgestellt, dass (zu) viele „in den stationären Einrichtungen unter elenden, zum Teil als menschenunwürdig zu bezeichnenden […]


Maria Callas und der helle Wahnsinn bei Donizetti

Wahnsinn ist in der Kunst – Literatur, Malerei wie Musik – immer wieder Thema gewesen. Ich möchte hier ein Beispiel aus der Musik darstellen. Opern zu verstehen ist besonders schwierig. Das liegt neben der häufigen Unverständlichkeit des gesungenen Textes daran, dass mensch oft die historischen Zusammenhänge und Bedeutungen nicht kennt. Natürlich lässt sich wunderbare akustische […]


„Ich bin nicht mehr ich selbst.“ – Depressionen in Königshäusern üblich

„Ich bin eine Bakhtiary.“ Soraya,´Ihre Kaiserliche Majestät, Die Königin von Iran´, war Tochter eines persischen Vaters aus einer nomadischen Fürstenfamilie und einer deutschen, fröhlichen Mutter. 1932 geboren, besuchte Soraya nach einer freien, wilden Kindheit die englische Missionarsschule für persische Kinder in Isfahan. Dort fühlte sie sich zwischen den Polen „methodisch“-europäisch und „ungezügelt“-persisch, „als wäre ich […]


Lene Voigt – ihr Wahlspruch: Trotz alledem!

Lene Voigt, geborene Wagner, kam im Mai 1891 in Leipzig zur Welt. Ihr Vater war Schriftsetzer, nach eigenen Worten „aus (einem) Gebirgsbauerngeschlecht“, ihre Mutter „aus Akademikerkreisen“. Nach sechs Jahren Volksschule arbeitete sie zwei Jahre als Kindermädchen (mit 12 Jahren!) und ab 1905 als Verlagskontoristin und später Buchhalterin in diversen Verlagen. Im Alter von 15 Jahren […]


Eine Überlebende der Psychiatrie: „Ich will die Königin in meiner Welt sein!“

„Ich war nie verrückt und ich bin es auch heute nicht.“ Louise von Sachsen-Coburg 1904 schrieb der Publizist und Satiriker Karl Kraus im Aufsatz „Irrenhaus Österreich“ über die Internierung Louises von Coburg in der Psychiatrie in seiner Zeitschrift Die Fackel: „Ich halte diese Frau, deren gerechte Sache mir auch die Sympathie von Sensationsreportern nicht verekeln […]


Eine arabische Prinzessin aus dem Hause Al Saud – „Sultana, eine Feministin von königlichem Geblüt“, aber auch: ein Leben als „ein schmaler Streifen Angst“

„Es ist nicht die Absicht der Autorin und der Prinzessin, mit dieser wahren Geschichte den islamischen Glauben schlecht zu machen.“ (Leitsatz) Die amerikanische Journalistin Jean P. Sasson hat zum Leben der hier besprochenen saudi-arabischen Prinzessin inzwischen vier Bücher geschrieben. Sasson lebte länger in Saudi-Arabien und wurde ab 1983 Sultanas Freundin. In den ersten beiden Büchern […]


Das Sozialistische Patienten Kollektiv Heidelberg – die Schlagzeile „Irre ans Gewehr“ war erfunden

Rezension des Buches „»Wir wollten ins Verderben rennen«, …“ von Christian Pross Ich bevorzuge den Streit der Welt – und die Liebe. Lebendig leben mit begründeter Verzweiflung und mit begründeter Hoffnung. Wolf Biermann Wie gelingt es, die Welt zu verändern? Das haben sich über die Jahrtausende schon viele Menschen immer wieder neu gefragt. Das Sozialistische […]


„Dulcinea von Toboso“ – „die Kaiserin der Mancha“ im Spanien des frühen Barock

„Leben ist die Suche des Nichts nach dem Etwas.“ Christian Morgenstern Frauen um 1600 in Europa haben überwiegend vom Land Bearbeiten gelebt. Trotz Unfreiheit – „Mädchen mussten ihrem Vater gehorchen, Ehefrauen ihrem Mann“ – haben einige Frauen der Zeit als Regentinnen und Gelehrte viel erreicht. „Adelige Frauen waren tugendhaft und wussten sich zu benehmen“1; Ritter […]


Der Klassiker – Don Quijote, Ritter von der traurigen Gestalt – „fortgerissen von seiner erfinderischen, unerhörten Verrücktheit“

„… nicht jeder hat so viel Verstand, um eine Sache am richtigen Ende anzufassen.“ Miguel der Cervantes „Beseligt und hochbeglückt waren die Zeiten, wo der kühnste aller Ritter, Don Quijote von der Mancha, auf die Erde gesendet ward. Denn weil er den so ehrenhaften Entschluß hegte, den bereits verloren gegangenen und schier erstorbenen Orden der […]


Die Psychiatrie-Enquete und ihre Deutungen: Modernisierung statt Reform?

Der Psychiatrie-Verlag hat das 40-jährige Jubiläum der Psychiatrie-Enquete zum Anlass genommen, ein Buch mit dem Untertitel „Blick zurück nach vorn“ heraus zu bringen. Das Buch ist von vier Autor*innen gemeinsam herausgegeben und hat ganz selbstverständlich auch Psychiatrie-betroffene Autor*innen angefragt. Acht von den 43 Autor*innen sind bekannte, fachlich qualifizierte Betroffene, fünf von diesen sind Frauen. Von […]