„Ich bin nicht mehr ich selbst.“ – Depressionen in Königshäusern üblich

Ich bin eine Bakhtiary.“ Soraya,´Ihre Kaiserliche Majestät, Die Königin von Iran´, war Tochter eines persischen Vaters aus einer nomadischen Fürstenfamilie und einer deutschen, fröhlichen Mutter.

1932 geboren, besuchte Soraya nach einer freien, wilden Kindheit die englische Missionarsschule für persische Kinder in Isfahan. Dort fühlte sie sich zwischen den Polen „methodisch“-europäisch und „ungezügelt“-persisch, „als wäre ich in zwei Hälften zerrissen.“ Wie schon hier unter den MitschülerInnen blieb sie auch später eher einsam.

Berufliche Jugendträume als Detektivin erfüllten sich nicht, denn mit 18 geriet die schöne junge Frau auf die Kandidatinnenliste zur Auswahl der Gattin Schah Rezas von Iran. Es war Liebe auf den ersten Blick. Aus politischen Gründen sollte die Hochzeit mit Schah Reza schnell erfolgen. Das 20 Kilo schwere Brautkleid von Dior wurde von dem „Kolibri“ (ein Arzt zu ihr) erfolgreich präsentiert.

Sorayas Vorstellung vom Kaiserin-Dasein – „Eselsmilchbäder in einer Schwanenhals-Badewanne, Mondschein im Duft der Jasminblüten“ – bewahrheitete sich jedoch nicht: „Von Tag zu Tag (…) lerne ich ihr Leben, oder besser: ihr Gefängnis, kennen.“ – „die ewigen Familienmahlzeiten, (…), der verdunkelte Raum, um anödende Filme anzusehen. Langeweile, Einsamkeit. Schon jetzt.“ – „Nichts als Trivialitäten, nichts als rosa und blaue Schmetterlinge, (…) nichtige Fragen über die Geschäfte und Gesundheit meiner Gäste. Und wenn schon. Diplomatie verpflichtet.“ Schon bald nach der Hochzeit fand sich das Kaiserpaar in einem Netz aus Intrigen verstrickt. Vornehme Familien umschmeichelten sie mit „honigsüße(n) Komplimenten: Sie betrüben mich und widern mich gleichzeitig an, doch ich lasse mir nichts anmerken. Eine Kaiserin darf ihre Gefühle nicht zeigen.“ Diese andauernde Versagung, das eigene Selbst zu leben, könnte eine Grundlage für spätere Depressionen gewesen sein.

Das Kaiserpaar siezte sich durchweg als „Zeichen gegenseitiger Achtung“. Soraya trat bei Staatsbesuchen als modern-orientalische Frau auf. Auch sorgte sie für verschwenderischen Glanz am Hof von Teheran. Nur der ersehnte Thronfolger blieb aus. Das führte zur Trennung.

Mit einer Leibrente in Höhe von 17 Millionen Mark und dem Ehrentitel `Ihre Königliche Hoheit, Prinzessin von Iran` nach der Scheidung 1958 „fühlte (ich) mich wie eine Gefangene, die nach vielen Jahren Einkerkerung vergessen hat, wie man inmitten anderer Menschen lebt.“ Soraya genoss weiterhin großen Luxus, reiste viel und brillierte in der Jet-Set-Society. Die angestrebte Karriere als Schauspielerin blieb ihr versagt. Die zweite große Liebe mit dem italienischen Regisseur Indovina wurde 1972 durch ein Flugzeugunglück beendet. Depressionen befielen sie. „Prinzessin Schwermut“ scheute nun öffentliche Auftritte und lebte zurückgezogen in ihren luxuriösen Anwesen in Paris und Marbella, Spanien. 2001 wurde sie im Familiengrab in München beigesetzt.

Heike Oldenburg

2012

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